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 CD     
  álvarez-quartett - in memoriam Bodo Hersen 
Werke von Wilhelm Petersen und Richard Strauss

Die Interpreten

álvarez-quartett:
Carmen Piazzini
| KLAVIER
Werner Grobholz | VIOLINE
Bodo Hersen | VIOLA
Peter Wolf | CELLO


Die Werke

CD 1 (34:23)
Wilhelm Petersen (1890-1957)
Klavierquartett c-Moll, op. 42 (*)
Allegro
Scherzo
Adagio

CD 2 (55:14)
Richard Strauss (1864-1949)
Klavierquartett c-Moll, op.13
Allegro
Scherzo
Andante
Finale. Vivace

Vier kleine Kompositionen für Klavierquartett
Ständchen (1882)
Arabischer Tanz (1893)
Liebesliedchen (1893)
Festmarsch (1886)
(*) Weltersteinspielung


Das álvarez-klavierquartett besteht seit über 20 Jahren. Das Ensemble hat unzählige Konzerte im In- und Ausland gegeben, zahlreiche Tonaufnahmen und Fernseh-auftritte legen Zeugnis ab vom Können der vier. Über die Einspielung des Brahms-Quartetts, op. 60, heißt es in einer Rezension: »Man müsste annehmen, sie spielten um ihr Leben. Bedingungsloser kenne ich dieses Klavierquartett von keiner anderen Besetzung. Sicher, Rubinstein und die Guaneri-Leute spielen technisch manchmal perfekter, aber auch platter, reibungsloser, ohne Kanten, ohne diesen Russisch-Roulette-Effekt des Alles oder Nichts.«
Der Kritiker Wolf Eberhard von Lewinski schrieb über das álvarez-klavierquartett: »Klavierquartette gelten als besondere Rarität. Sie erfordern vier markante Solisten, die neben virtuoser Technik und gegründeter Musikalität einen spezifischen Kammer-musiksinn mitbringen müssen, um die charakteristische Klangbalance erreichen zu können. Um so bedeutsamer, eigentlich ein Glücksfall, dass diese vier Musiker mit Eigenprofil den Entschluss fassten, ein Klavierquartett zu gründen.«

Die Solisten

Carmen Piazzini stammt aus einer bekannten Musikerfamilie in Buenos Aires. Ihr Großvater Edmondo, ein enger Freund Puccinis, war aus Italien nach Argentinien ausgewandert. Die Pianistin wurde bei Vincenzo Scaramuzza, Hans Leygraf und Wilhelm Kempff ausgebildet. Konzertsaal, Rundfunk, Fernsehen und CDs belegen eine eindrucksvolle solistische Karriere mit einem breit gefächerten Repertoire Es reicht von der Klassik bis zur zeitgenössischen Musik. Carmen Piazzini konzertierte u. a. mit den Radiosinfonieorchestern des Südwestfunks (Michael Gielen) und des Bayerischen Rundfunks, den Münchner Philharmonikern (Christoph Eschenbach), den Moskauer Symphonikern und dem Sinfonieorchester Buenos Aires (Leopold Hagen).Sie ist eine gesuchte Kammermusikpartnerin, u. a. musizierte sie mit Ulf Hoelscher, Dimitri Sitkovetski, Gustav Rivinius, Peter Wolf, Bernarda Fink, Alicia Nafé und Gabriele Schnaut. Aus über 50 CD-Einspielungen ragen die Gesamtaufnahmen aller Klaviersonaten und Klavierkonzerte von Mozart (St. Petersburger Solisten), sämtlicher Klaviersonaten von Haydn und Lieder ohne Worte von Mendelssohn Bartholdy heraus. Ihre Vielseitigkeit zeigt die Künstlerin mit einer CD "Piazzini plays Piazzolla". Carmen Piazzini lebt in Darmstadt und hat eine Professur an der Musikhochschule in Karlsruhe. 1998 erhielt sie den Preis der argentinischen Presse als beste Interpretin, 2001 den renommierten Tortonipreis.
Der Geiger Werner Grobholz ist Konzertmeister bei den Münchner Philharmonikern. Er studierte bei Werner Heutling, Max Strub, Wilhelm Isselmann und Otto Bücher. Als Solist hat er u. a. mit Rudolf Kempe und Sergiu Celibidache im In- und Ausland höchste Anerkennung gefunden. Darüber hinaus hat er sich einen hervorragenden Ruf als Kammermusiker erworben. Zahlreiche Platteneinspielungen als Solist - mit der Academy of St. Martin in the Fields - und als Kammermusiker belegen seine umfangreiche Tätigkeit. Werner Grobholz spielt eine G. Paolo Maggini aus dem Jahre 1620.
Der Bratscher Bodo Hersen, Solobratscher beim Radiosinfonieorchester Frankfurt, war ein sehr vielseitiger Künstler. Neben seinen solistischen und kammermusikalischen Aufgaben wirkte er als Solobratscher bei den Bayreuther Festspielen mit. Seine Ausbildung erhielt er bei Helmut Mendius. Intensiven Studien bei Sandor Vegh und Norbert Brainin verdankte er entscheidende Anregungen für seine künstlerische Entwicklung. Er verstarb völlig unerwartet am 21.März 2004.
Peter Wolf studierte an der Musikhochschule in Frankfurt bei Alexander Malzahn und Gerhard Mantel. Später erweiterte er seine Studien am Mozarteum in Salzburg bei Heidi Litschauer, ehe er 1981 sein Konzertexamen in Frankfurt ablegte. 1979 wurde er Preisträger beim Internationalen Musikwettbewerb in Genf. Der Cellist ist seit 1986 Solocellist beim HR-Sinfonieorchester Frankfurt, wo er auch zeitweilig als Konzertsolist verpflichtet wird. Mit dem Orchester bereiste er viele Länder der Welt und spielte eine Reihe von CDs ein. Wolf blickt auf eine mehr als 20-jährige intensive Tätigkeit als Kammermusiker in den verschiedensten Besetzungen zurück. Als ständiges Mitglied des Alvarezquartettes und der Philharmonischen Cellisten Köln gab Peter Wolf unzählige Konzerte in Deutschland und folgte im Laufe der Jahre Einladungen zu Konzerten in Schweden, Ägypten und Japan. Der Künstler spielt ein Vuillaume - Cello aus dem Jahre 1857.

Die Werke

Wilhelm Petersen (1890-1957) gehört zu jenen Komponisten des 20. Jahrhunderts, die abseits der Avantgarde ihren eigenen Weg verfolgten. Zwar begleitete er den revolutionären Aufbruch des Expressionismus mit Einsicht in die Notwendigkeit neu zu entwickelnder Ausdrucksformen, fand aber um 1925 nach einer experimentellen Phase am Rande der Tonalität zu einer tonal zentrierten und formal geklärten Tonsprache. Die im tradierten Material noch schlummernden Entwicklungsmöglichkeiten interessierten ihn, wobei sich sein kompositorischer Anspruch an der großen sinfonischen Tradition des 19. Jahrhunderts orientierte. Dabei ging es Petersen weniger um Wiederbelebung eines romantischen Subjektivismus, sondern um Konzentration auf das Wesentliche der Tonsprache, was er Besinnen auf »musikalische Urqualitäten« nannte.
Knüpfen seine ersten drei mit Opuszahlen versehenen Werke an die sinfonische Tradition vor allem Brucknerscher Prägung an, versuchte Wilhelm Petersen in einer kurzen Phase intensiven Schaffens von 1919 bis 1924 sich mit der zeitgenössischen Musiksprache auseinanderzusetzen. Von diesen stark dissonierenden, freilich niemals die Tonalität verlassenden Werken mit stark polyphoner Faktur beließ Petersen jedoch nur seine 2. Sinfonie, op. 4, das Streichquartett, op. 8 und ein Werk für Violine und Klavier, op. 11 in ihrer ursprünglicher Gestalt, während andere Werke dieser Phase entweder umgearbeitet oder ganz aus dem Werkverzeichnis heraus-genommen wurden. Die Werke nach der »Umrichtung des Schaffens« um 1925, wie Petersen es nannte, spiegeln das Bestreben des Komponisten, »den persönlichen Ausdruck gegenüber objektiver Gestaltung zurücktreten zu lassen«. Ein wieder-gewonnenes Verhältnis zu einer individuell erweiterten Harmonik wurde bestimmend: »Tonalität als formbauende Kraft gewann wieder Bedeutung für mich, Chromatik und hochgesteigerte Linearität wurden zugunsten einer klareren Klangform vereinfacht.«
Nach erfolgreichen Uraufführungen seiner ersten beiden Sinfonien zu Beginn der Zwanziger Jahre hatte Petersens Namen in Deutschland einen guten Klang. Sein kompositorisches Können und die Wahrhaftigkeit seiner Aussage wurden nie bezweifelt; auch wenn man ihn abseits der geschichtsträchtigen Richtungen einordnete. So zählen zu den wenigen Höhepunkten seines öffentlichen Wirkens die Uraufführungen seiner Großen Messe, op. 27, unter Karl Böhm (1930) und seiner Oper Der Goldne Topf (1941).

Richard Strauss (1864-1949) war einer der Komponisten, die den jungen Wilhelm Petersen beein-flussten. »Strauss, Mahler, Reger«, so Petersen, »waren prägend: Ich fing bei der Moderne an, und habe erst später ein um so intensiveres Studium der großen Meister, vor allem Bachs und Beethovens, betrieben.« Während seiner Studienjahre in München um 1910 wandte sich Petersen dem Musikleben dieser vom Jugendstil geprägten Stadt zu und hier besonders der Neuen Musik von Mahler und Strauss. So gab es im Juni 1910 eine Strauss-Woche mit einem repräsentativen Überblick über das Schaffen des Komponisten. »Mit Strauss tritt eine bis dahin nicht gehörte Elastizität und Schwungkraft in die musikalische Welt ein.... In der Frische und Plastik seiner Musik und in seiner von erstaunlichem Klangsinn gelenkten Instrumentation liegt ein Gutteil seines Welterfolgs begründet«, so Wilhelm Petersen in einem Aufsatz von 1931 über die Musik des 20. Jahrhunderts.
Wilhelm Petersens Klavierquartett c-Moll, op. 42, das mit dieser digitalen Weltpremiere nun erstmals auf CD vorliegt, ist eine Umarbeitung einer Sonate für Violine und Klavier, op. 6, die in den Jahren 1921/22 komponiert und 1923 in Bad Homburg uraufgeführt wurde. Petersen nimmt diese Violinsonate aus seinem ursprünglichen Werkverzeichnis heraus und gestaltet sie 1941/42 wesentlich zum Klavierquartett (nun op. 42) um.
Der Komponist schreibt über sein 1942 in Mannheim uraufgeführtes Werk: »Das Werk ist insofern anders geartet, als alle Sätze von einer gemeinsamen thematischen Substanz gespeist sind. Die Thematik des ersten Satzes ist nicht nur auf diesen beschränkt, sondern wirkt auch in den Folgesätzen nach - man könnte sagen, dass das Prinzip der Variierung und weiterbildenden Metamorphose hier für den Formorganismus eines ganzen Werkes fruchtbar gemacht wird. Diese Einheitlichkeit der Konzeption lässt auch die Nebenstimmen in erhöhtem Maße am thematischen Leben des Ganzen teilnehmen; daraus ergibt sich eine Harmonik, die, stimmführerisch aufgelockert, kontrapunktischen Notwendigkeiten gehorcht. Statt eines Sonaten- oder Rondosatzes ist der Schlusssatz ein Adagio, das die Ergebnisse des Vorangegangenen in verinnerlichtem Sinne zusammenfasst.«
Wolfgang Mechsner, aus Wilhelm Petersen: Leben und Werk, Biographie mit thematischem Werkverzeichnis. Frankfurt am Main, THIASOS Musikverlag 1996


Edition Hera
Best.-Nr. 02121
2 CD DDD

Weitere Informationen: www.editionhera.de.




Bild
 Köln, Philharmonie
© KölnMusik/Jörg Hejkal



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